Narzissmus

"Die Selbstsucht besteht nicht darin, dass man lebt wie man will, sondern dass man von anderen verlangt, sie sollen leben, wie man selbst." (Oscar Wilde)

inneres Kind Berlin. Psychotherapie Theresa Anneken

In der therapeutischen Praxis kommen Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung eher selten vor; eine mögliche Ursache dafür wird weiter unten angeführt. In der Regel suchen eher Beziehungspartner*innen der Betroffenen therapeutische Hilfe.

 

Der Begriff „Narzissmus“ entstammt dem griechischen antiken Narziss-Mythos. Es ist die Geschichte des wunderschönen Jünglings Narziss, der alle Verehrerinnen und Verehrer zurückweist. Ein verschmähter Jüngling nimmt sich das Leben und bittet die Göttin der ausgleichenden Gerechtigkeit, Nemesis, darum, dass auch Narziss die Erfahrung machen möge sich unsterblich zu verlieben, aber nicht erhört zu werden!

 

Nemesis erfüllt seine Bitte und bestraft Narziss mit unstillbarer Selbstliebe. So kommt es, dass er sich in sein eigenes Spiegelbild verliebt, das er im Wasser einer Quelle erblickt. Obwohl er die Täuschung durchschaut, kann er sich nicht von diesem Bild abwenden und stirbt.

 

Es gibt zwar viele Erklärungsmodelle, die sich mit der Entwicklung einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung befassen, doch Einigkeit besteht darin, dass dem Elternhaus der Betroffenen eine bedeutende Rolle zukommt. Die Psychoanalytikerin Annie Reich vermutet, dass wiederholte traumatische Erfahrungen in der Kindheit dazu geführt haben, dass ein hartnäckiges Gefühl von Schwäche und Machtlosigkeit in den Betroffenen erzeugt wurde; diese Ohnmachtsgefühle sind für Reich die Ursache dafür, dass die Betroffenen unfähig dazu sind das Selbstwertgefühl autonom – also unabhängig vom Außen – zu regulieren. Das erklärt, warum Betroffene sehr angewiesen sind auf den Zuspruch und die Bewunderung anderer.

Typisch für Narzissmus ist es die eigenen Schwächen zu verdrängen, sich zu idealisieren und dabei in Kauf zu nehmen andere abzuwerten.

 

Die Verdrängung der eigenen Ohnmachtsgefühle erscheint den Betroffenen überlebensnotwendig. Die Verdrängung wird aufrecht erhalten durch Übertreibungen, Lügen, Täuschung und Selbsttäuschung, die sogar zu sogenannten „Säulen ihrer Identität“ werden. Unter der Perspektive der Identitätsstiftung wird deutlich, warum eine Therapie, die ja mit der Aufdeckung und Aufarbeitung verdrängter Gefühle umgeht, für narzisstisch betroffene Menschen in der Regel keine Option ist. Hinter der Fassade fühlen sich Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung häufig sehr einsam und verletzlich. 

 

Beziehung mit einem narzisstischen Menschen

 

Für Beziehungspartner*innen und Familienangehörige ist der Umgang mit einem Menschen der eine narzisstische Persönlichkeitsstörung hat mitunter sehr leidvoll. Zu Beginn einer Beziehung wirken narzisstische Menschen häufig anziehend und verführerisch aufgrund ihrer Selbstüberzeugtheit. Erst nach einiger Zeit wird ein Mangel an Empathie bemerkt, denn Narzissten können einfühlende Reaktionen durchaus vorgeben, aber nicht emotional erleben und vermitteln.

 

Warum verliebe ich mich in einen narzisstischen Menschen?

 

Toxische Beziehung als Sprungbrett in die Selbstliebe